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Kunstprojekt 2006: Berlin - Budapest

Durch neue Medien, Kommunikationsmittel und schnellere, einfachere Wege beschleunigt sich die Welt, Distanzen verringern sich und mehr Möglichkeiten an Lebensräumen entstehen. Neue Versatzstücke stehen zur Verfügung, um den subjektiven Raum zu gestalten.

Diese Beobachtung und auftretende Fragestellungen stellen den Ausgangspunkt für das Kunstprojekt und die damit verbundene Ausstellung dar. Der Berliner Verein art & culture international e.V. führt das Projekt von Januar bis September 2006 durch. In der Vorbereitungsphase ab Januar 2006 leiten die beiden Vertreterinnen des Berliner Vereins, Katja Melzer und Katharina Buncke, ein praxisorientiertes Seminar am kunstgeschichtlichen Institut der ELTE-Universität Budapest. Gemeinsam mit Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen erarbeiten sie in den wöchentlichen Treffen das Ausstellungskonzept und weitere Aspekte der Ausstellungsvorbereitung in einem wissenschaftlichen Diskurs. Dabei werden Themen wie Presse-und Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierung und die inhaltliche Gesaltung thematisiert. Als Resultat entsteht eine Ausstellung, die zuerst in Budapest, im Tüzraktér, und danach in Berlin gezeigt wird.

Die Ausstellung zeigt insgesamt 15 junge Künstler und Künstlerinnen: Sieben aus Berlin und sieben aus Budapest sowie eine ungarische Künstlerin, die jetzt in Berlin lebt und arbeitet. Anhand der Ausstellung wird dem Besucher vermittelt, in welcher Situation sich junge Künstler und Künstlerinnen heute befinden, mit welchen Themen sie arbeiten, welche Versatzstücke sie nutzen. Wie und wo positionieren sie sich in und mit ihrer Kunst? Die Künstler und Künstlerinnen stehen dabei stellvertretend für Berlin bzw. Budapest. Die gleichen analytischen Fragestellungen werden zudem an die jungen Kuratoren, ergo jungen Kunstwissenschaftlern gestellt. Dies führt auch zu einer Reflektion ihrer Situation wie Position innerhalb der aktuellen Kunst-Wissenschaft.

Kuratoren, Künstler und Künstlerinnen, die an diesem Projekt teilnehmen, gehören einer Generation an. Daraus ergibt sich eine neue Art der Ausstellungskonzeption und Sichtweise auf zeitgenössische Kunst. Erweitert wird die Ausstellung durch ein Rahmenprogramm, sowohl in Budapest als auch in Berlin, welches weitere kulturelle Bereiche wie Musik, Literatur und Film integriert. Ebenfalls erfolgt ein wissenschaftlicher Beitrag in Form eines Symposiums. Durch das kulturelle Programm, welches dem Gesamtkonzept Berlin-Budapest folgt, wird eine breitere Öffentlichkeit angesprochen. Mit dem Kunstprojekt 2006: Berlin-Budapest möchten wir den bereits existierenden Kulturaustausch zwischen Deutschland und Ungarn erweitern. In der Idee des Projekts spielen reflexive Beziehungen eine zentrale Rolle. Junge Menschen aus Wissnschaft und Kunst aus Berlin und Budapest kooperieren miteinander. Der gewünschte Austausch findet auf zwei Ebenen statt: Eine stellt die repräsentativen Form als Ausstellung dar. Andererseits ist der Austausch auf wissenschaftlicher Ebene grundlegender Bestandteil des Kunstprojekts. Es ist also von einem Dialog-Projekt zu sprechen, an dem beide Seiten in gleichem Maße beteiligt sind.

Die Nachhaltigkeit ist eine weitere Intention des Projekts. Die praktischen Erfahrungen, die in der gemeinsamen Arbeit gesammelt werden, können auch in Zukunft genutzt werden. Dies gilt ebenso für Verbindungen und Kontakte der jungen Kuratoren, Künstler und Künstlerinnen untereinander. Dazu trägt auch der Sokrates-Vertrag bei, der ermöglicht, dass Studierende aus Berlin und Budapest in den folgenden Jahren die Projektidee fortsetzen.
Dies stellt eine Grundlage für einen reflexiven und erfolgreichen Kulturaustausch in Zukunft dar.